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Letztes Aktualisierung:
02. 07. 2009




Schwerhörigkeit: Formen, Symptome, Ursachen, Diagnose, Therapie, Verlauf

Schwerhörigkeit (Hypakusis) ist eine Einschränkung, die fast jeder Mensch zeitweise erlebt. Dabei ist das Hörvermögen herabgesetzt. Meist tritt Schwerhörigkeit nur vorübergehend auf, zum Beispiel beim Fliegen oder im Gebirge, nach einem Konzert mit lauter Musik oder bei einer Entzündung des Ohrs. Schwerhörigkeit kann angeboren oder erworben sein. 

Schwerhörigkeit ist eine häufige Erkrankung, die in akute und chronische Verläufe sowie vorübergehende und bleibende Schäden eingeteilt wird. Da sie in gewissem Maße auch eine Alterserscheinung darstellt, sind ältere Menschen wesentlich häufiger betroffen als junge (...) wobei Statistiken belegen, dass durch vermehrte Lärmbelastung der Ohren  Schwerhörigkeit mittlerweile auch bei jungen Menschen stark zunimmt.

Die Schwerhörigkeit kann meist sehr einfach vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt festgestellt und klassifiziert werden. Die Ursachen sind dabei vielfältig und reichen von der einfachen Altersschwerhörigkeit über Infektionen bis hin zu chronischen Lärmschädigungen oder Tumoren. 

Sowohl Therapie wie auch Prognose richten sich nach der Ursache der Hörminderung. Es kommen sowohl medikamentöse als auch operative Maßnahmen in Frage, in den meisten Fällen sind Hörgeräte bei Schwerhörigkeit nötig.

Einteilung Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit kann man in drei wesentliche Formen unterteilen. Bei der Schallleitungsschwerhörigkeit kann der Schall nicht mehr adäquat an das Innenohr weitergegeben werden. Dies ist zum Beispiel bei Trommelfellschäden oder während einer Mittelohrentzündung der Fall. Die Schallempfindungsstörung hingegen hat ihre Ursache in einer Schädigung beziehungsweise unzureichenden Funktion des Gehörknöchelchens (Cochlea), des Hörnervs oder des Gehirns, beispielsweise bei langfristigem Hörschaden durch permanente Lautstärke. Die dritte Form der Schwerhörigkeit ist eine Kombination aus den beiden genannten. 

Schwerhörigkeit kann akut oder chronisch auftreten. In den meisten Fällen sind akute Schwerhörigkeiten nur von kurzer Dauer und verschwinden von selbst. In anderen Fällen müssen sie, genau wie die chronischen Hörschäden, behandelt werden, wobei die Prognosen sehr unterschiedlich sind.

Je nach nachdem, welche Geräusche wahrgenommen werden können, unterscheidet man von Normalhörigkeit über mittelgradige Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit:

  • Normalhörigkeit: Ein Abweichen der Hörfähigkeit bis 20 Dezibel. 
  • geringgradige Schwerhörigkeit: Das Ticken der Armbanduhr, welche eine Lautstärke von etwas mehr als 20 Dezibel hat, wird nicht mehr gehört. 
  • mittelgradige Schwerhörigkeit: Diese liegt vor ab einem Hörverlust von 40 Dezibel, also etwa den Grundgeräuschen in Wohngebieten am Tag. 
  • hochgradige Schwerhörigkeit: Der Gesprächspartner kann nicht mehr gehört werden, wobei normales Sprechen etwa einer Lautstärke von 40 bis 60 Dezibel entspricht. 
  • an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit: Ein Hörverlust über 80 Dezibel, wenn man zum Beispiel laute Musik oder die Geräusche einer sehr belebten Straße nicht mehr hört. Hört man praktisch nichts mehr, liegt eine Taubheit vor. 

Ursachen Schwerhörigkeit

Die Ursachen für eine Schwerhörigkeit unterscheiden sich je nachdem, ob es sich um eine Schallleitungsschwerhörigkeit oder eine Schallempfindungsschwerhörigkeit beziehungsweise um eine akute oder chronische Erkrankung handelt.

Schallleitungsschwerhörigkeit

Eine Schallleitungsschwerhörigkeit entsteht durch einen Verschluss des Gehörgangs, sodass der Schall nicht mehr zum Innenohr gelangen kann, oder durch Schädigungen der schallleitenden Strukturen.

Dies kann akut erfolgen durch:

  • vermehrte Bildung von Ohrschmalz (Zerumen) oder das "nach hinten Schieben" des Ohrschmalzes bei Reinigungsversuchen sowie die Arbeit unter staubigen Bedingungen 
  • Wasser, das z.B. nach dem Baden oder Schwimmen ins Ohr eingedrungen ist 
  • eine Entzündung der Haut des Gehörgangs (Otitis externa) oder eine lokal begrenzte Entzündung ausgehend von den Haarwurzeln im Gehörgang (Ohrfurunkel); durch die entzündliche Schwellung der Haut kann es zum Verschluss des Gehörgangs kommen 
  • Durchstechen des Trommelfells, z.B. bei der Ohrreinigung oder das Zerreißen durch einen Schlag auf das Ohr mit der flachen Hand 
  • einen Verschluss oder eine Verletzung der Ohrtrompete: Die Ohrtrompete (Tube) ist die Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenrachen. Über sie wird der Luftdruck im Mittelohr ausgeglichen. Bei Schnupfen kann die Öffnung der Tube durch entzündliche Veränderungen erschwert oder gar nicht erfolgen. Bei schnellen Luftdruckveränderungen, zum Beispiel beim Fliegen, Seilbahnfahren oder Tauchen, baut sich so ein Druckunterschied zwischen Mittelohr und äußerem Gehörgang auf, der das Trommelfell dehnt und manchmal zerreißt. 
  • Verletzungen im Mittelohr oder einen Schädelbruch, wodurch die Verbindung zwischen den Knöchelchen unterbrochen wurde (Luxation) 
  • eine Mittelohrentzündung (Otitis media) 

Eine Schallleitungsschwerhörigkeit kann jedoch auch chronischen Charakter annehmen. Dies geschieht zum Beispiel durch:

  • angeborene Schalleitungsstörungen, wobei z.B. die Ohrmuschel fehlentwickelt sein kann oder ganz fehlt (Mikrotie) oder die Gehörgänge anatomisch versperrt sind. Auch angeborene Fehlbildungen des Mittelohrs, v.a. der Gehörknöchelchen sind möglich. 
  • vermehrtes Knochenwachstum im Gehörgang (Exostosen) 
  • Verengungen (Stenosen) durch Narben und Entzündungen 
  • chronische Mittelohrentzündung 
  • chronische Tubenventilationsstörung: Die Tube ist dauerhaft verschlossen. Besonders bei Kindern kann sich so Flüssigkeit im Mittelohr ansammeln (Sero- oder Mukotympanon). Heilt die Erkrankung nicht aus, kommt es zu Veränderungen der Mittelohrschleimhaut (Tympanosklerose) und einer hochgradigen Schwerhörigkeit. 
  • Otosklerose: Durch entzündliche Umbauprozesse des Knochens wird der Steigbügel im ovalen Fenster fixiert und damit unbeweglich. Dadurch ist die Beweglichkeit der Gehörknöchelkette und somit die Fähigkeit der Schallübertragung eingeschränkt. 
  • Geschwülste: Tumoren im Gehörgang und im Mittelohr können sowohl gut- als auch bösartig sein, sind aber relativ selten.  

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Die Schallempfindungsschwerhörigkeit kann akut auftreten oder chronische Formen annehmen. Für die akute Schallempfindungsschwerhörigkeit können verschiedene Ursachen verantwortlich sein:

 

  • Hörsturz: plötzliche, meist einseitige, Hörverschlechterung. 
  • starker Lärm über 120 Dezibel 
  • akute Infektionen, die auch das Innenohr betreffen, wie Hirnhautentzündung, Gürtelrose am Ohr (Zoster oticus), AIDS, Mumps, Lues (Syphilis), Toxoplasmose, Borreliose, Masern, Scharlach, Typhus, Fleckfieber und Brucellose. 
  • Medikamenten-Nebenwirkungen 
  • akute und chronische Vergiftungen durch Stoffe, die im Arbeitsprozess verwendet werden, wie: Aminobenzol, Blei, Fluor, Kohlenmonoxid, Quecksilber, Schwefelkohlenstoff und Nitrobenzol 
  • Gewalteinwirkung auf den Schädel, die das Innenohr auch dann schädigen kann, wenn der Schlag nicht direkt auf das Ohr trifft: Der Grund besteht in der Fortleitung der Druckwelle über die Knochenleitung auf das Innenohr. 
  • Schädelbruch: Bei einem Schädelbruch kann die Bruchlinie durch alle Strukturen des Ohrs gehen. Geht die Bruchlinie durch das Innenohr (Pyramidenquerbruch) kann es zu plötzlichem Hörverlust, Schwindel oder einer Gesichtsnervenlähmung kommen. 
  • Riss der Membranen zwischen Mittel- und Innenohr (Fensterruptur) durch operative Eingriffen, Gewalteinwirkungen, Lärmschäden, Barotrauma oder Anstieg des Hirndrucks 
  • Elektrounfall, Blitzschlag 
  • Erkrankungen wie Morbus Menière, Nierenfunktionsstörungen, Gefäßveränderungen, Erkrankungen der Halswirbelsäule (Zervikalsyndrom) oder Multiple Sklerose 
  • extreme Stresssituationen (psychogene Schwerhörigkeit) 

Die chronische Schallempfindungsstörung entsteht zum Beispiel durch:

  • angeborene anatomische Fehlbildungen (z.B. inkomplette Anlage der Cochlea) wie auch funktionelle Störungen 
  • tägliche sechs- bis achtstündige Lärmbelastung über 80 dB über lange Zeit, z.B. bei Metallarbeitern, Baggerfahrern, Straßenbauarbeitern oder Disk Jockeys (DJ) ohne entsprechenden Gehörschutz 
  • verschiedene Alterungsprozesse im fünften bis sechsten Lebensjahrzehnt: Zunächst verschlechtert sich das Hören der hohen Frequenzen, so hört man beispielsweise das Zirpen der Grillen nicht mehr. Das Sprachverständnis, besonders bei starken Hintergrundgeräuschen nimmt ab (Cocktailparty-Effekt). 
  • Erkrankungen wie Nieren- und Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus, Gefäßveränderungen (Arteriosklerose) sowie eine Reihe von Immunerkrankungen 
  • Akustikusneurinom, eine langsam wachsende gutartige Geschwulst am Hör- bzw. Gleichgewichtsnerven 
  • Druckerhöhung und damit Schädigung der Sinneszellen im Innenohr (Morbus Menière) 
  • Schwerhörigkeit aufgrund autoimmuner Antikörper: Diese wurde erstmals 1979 beschrieben und kommt sowohl einzeln als auch in Form von Syndromen (z.B. Systemischer Lupus Erythematosus) vor. 
  • Hörstörungen, deren Ursache in den Hirnstrukturen zu suchen ist (zentrale Hörstörungen): Meist finden sich hierbei gleichzeitig andere neurologische Veränderungen. 

Symptome bei Schwerhörigkeit

Die Symptome einer Schwerhörigkeit unterscheiden sich je nach Ursache stark in Ausmaß und Art. Schwerhörigkeit äußert sich jedoch immer darin, dass Töne und Geräusche nur noch in abgeschwächter Form wahrgenommen werden können. Daneben kann zusätzlich eine sehr unterschiedliche Symptomatik vorhanden sein. Da das Innenohr auch das Gleichgewichtsorgan enthält, kann es bei Veränderungen zu Schwindelanfällen kommen. 

Diagnose bei Schwerhörigkeit

Die Diagnose der Schwerhörigkeit und ihrer Ursachen ergibt sich aus einer Reihe diagnostischer Hilfsmittel. Anfangs steht das Arzt-Patienten-Gespräch im Vordergrund, bei dem Art und Verlauf der Schwerhörigkeit erfragt werden. Die körperliche Untersuchung erfolgt über verschiedene Tests, wie zum Beispiel den Versuch nach Weber und Rinne mithilfe einer Stimmgabel. Dieser Versuch kann nach diagnostizierter Schwerhörigkeit Aufschluss über die Art der Hörminderung geben (Schallleitung, Schallempfindung). Mithilfe einer Ohrenspiegelung (Otoskopie) können Anomalien im Ohr erkannt werden. 

Zur genauen Überprüfung des Gehörs wird ein Hörtest durchgeführt. Dabei werden die Töne unterschiedlicher Frequenz ermittelt, die gerade noch gehört werden können. Eingetragen in ein Diagramm mit der Lautstärke auf der y-Achse (Ordinate) und der Frequenz auf der x-Achse (Abzisse), ergibt das die Hörkurve, welche Aufschluss über die Schwerhörigkeit gibt. Dabei werden Luft- und Knochenleitung separat gemessen.

Können Töne erst bei höheren Lautstärkewerten gehört werden, so weicht die Hörkurve von der Normalkurve ab. Mithilfe dieser Hörkurve lässt sich eine Schwerhörigkeit auch numerisch, also mit ihrer Abweichung von den Normalhörenden, in Dezibel (dB) bestimmen. 

 Hörkurve

 

Weitere diagnostische Möglichkeiten der Schwerhörigkeit bieten Tests wie die Tympanometrie und der Stapedius-Reflex. Hierbei kann die Funktionalität des Trommelfells gemessen werden. Auch die otoakustischen Emissionen oder die so genannte ERA (electrical response audiometry) geben Aufschluss über die Ursache einer Schwerhörigkeit. Wird dem Ohr ein Ton präsentiert, sendet es für den Menschen unhörbare Schallwellen zurück (otoakustische Emissionen). Dies geschieht allerdings nur beim gesunden Ohr. Bei der ERA werden die elektrischen Hirnströme als Antwort auf akustische Reize gemessen und ausgewertet. Besteht der Verdacht auf stoffwechselbedingte Ursachen für die Schwerhörigkeit, müssen außerdem Bluttests durchgeführt werden.

Therapie bei Schwerhörigkeit

Die Therapie einer Schwerhörigkeit hängt entscheidend von den Ursachen ab. Je nach Krankheitsursache ist meist eine spezielle Behandlung notwendig. Diese kann bei Schwerhörigkeit von konservativen oder operativen Maßnahmen, bis hin zur Anpassung eines Hörsystems, eines Hörersatzes oder der parallelen Einleitung einer psychotherapeutischen Behandlung gehen.

Verlauf von Schwerhörigkeit

Der Verlauf der Schwerhörigkeit kann sehr unterschiedlich sein und ist von der auslösenden Ursache abhängig. Vor allem bei Kindern ist es wichtig, angeborene sowie erworbene Hörfehler so früh wie möglich zu diagnostizieren, da es sonst zu Sprachschwierigkeiten kommen kann.

 Quelle: www.onmeda.de/krankheiten/schwerhoerigkeit.html 
(Stand 6.11. 2008)