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Letztes Aktualisierung:
15. 02. 2017




Wissenschaft

Trend: Raschere Versorgung mit Hörgeräten bei Schwerhörigkeit

15. 02. 2017

Viele Schwerhörige warten "nur kurz" bis sie Hörgeräte erwerben. Drei von vier Schwerhörigen schaffen sich sich innerhalb der ersten drei Jahre nach der Diagnose der Hörminderung Hörgeräte an. Das ist ein positives Signal und...

Viele Schwerhörige warten "nur kurz" bis sie Hörgeräte erwerben. Drei von vier Schwerhörigen schaffen sich sich innerhalb der ersten drei Jahre nach der Diagnose der Hörminderung Hörgeräte an. Das ist ein positives Signal und bestärkt auch die Bemühungen der Schwerhörigeninteressensvertretungen, ehestmöglich bei Hörschäden eine Versorgung flgen zu lassen.

In der EuroTrak-Studie 2015, die in einer Reihe europäischer Länder durchgeführt wurde, wurden Personen mit Hörgeräten gefragt, wie viele Jahre zwischen dem Zeitpunkt der Diagnose der Schwerhörigkeit und dem Zeitpunkt des Erwerbs von Hörgeräten vergangen sind. Mehr als die Hälfte der Befragten warteten nur ein oder zwei Jahre.

25 % der befragten Hörgeräteträger haben die Hörgeräte sogar im Laufe des ersten Jahres erworben. 25 % hatten ein Hörgerät ein bis zwei Jahre nach der Diagnose der Schwerhörigkeit angeschafft. Innerhalb von 3 Jahren hatten insgesamt 71 % Hörgeräte.

Länderspezifische Zahlen
In Deutschland hatten 26 % die Hörgeräte im ersten Jahr erworben und 77 % innerhalb von drei Jahren nach der Diagnose der Schwerhörigkeit.
In Großbritannien waren es 18 % bzw. 69 %. In Frankreich haben 20 % ihre Hörgeräte im ersten Jahr und 63 % innerhalb der ersten drei Jahre erworben.
In Italien haben 35 % Hörgeräte im ersten Jahr erworben und 80 % innerhalb von drei Jahren nach der Diagnose der Schwerhörigkeit.
Die EuroTrak-Studien, die 2015 und 2016 in der Schweiz und in Dänemark durchgeführt wurden, zeigen, dass 70 % bzw. 68 % ihre Hörgeräte innerhalb von drei Jahren erworben haben.

Über EuroTrak
Die EuroTrak-Studien zum Thema Hören und Hörverlust werden von EHIMA (European Hearing Instrument Manufactures Association) in einer Reihe von europäischen Ländern durchgeführt. Die Studien werden in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Analyseinstitut Anovum durchgeführt.

Quelle:www.ehima.com

Telefonie: App gegen Schwerhörigkeit

29. 02. 2012

Forscher in Hong Kong haben eine Smartphone Anwendung entwickelt, die Frequenzen anheben kann, die der Gerätenutzer besonders schlecht hört.

Ein hoher Prozentsatz der Amerikaner haben laut der jüngsten Statistik des Center for Hearing and Communication (CHC) Probleme mit ihrem Gehör. Um diesen Menschen im Umgang mit Gadgets wie Smartphones zu helfen, reicht es jedoch nicht, einfach nur die Lautstärke des Gerätes zu erhöhen: Die Art der Schwerhörigkeit ist von Mensch zu Mensch verschieden. "Jeder Hörverlust hat seinen eigenen Fingerabdruck", erläutert Barbara Kelly vom Betroffenenverband Hearing Loss Association.

Eine neue Smartphone-Anwendung namens "ACEHearing" versucht dieses Problem nun mit Hilfe eines einfachen Tests anzugehen: Dieser diagnostiziert die Form der Schwerhörigkeit und passt dann den Audio-Output eines Mobilgerätes an, damit dieser zum Hörprofil des Nutzers auch wirklich passt. Andrew van Hasselt, der an der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Chinese Unversity in Hong Kong lehrt, hat die Technik zusammen mit einem Forscherteam entwickelt. "Momentan ist die App noch im Prototypstadium. Wir hoffen aber, dass sie eines Tages zum Standard in Smartphones, Tablets und anderen Geräten wird, die über Tonausgabe verfügen."

Der ACEHearing-Test erfolgt per Kopfhörer. Dabei spielt die App Klänge über einen bestimmten Frequenzbereich ab und fragt nach, ob der Nutzer sie hören kann. Die Software passt dann anschließend den Frequenzgang an und verstärkt problematische Bereiche, statt einfach nur die Gesamtlautstärke zu erhöhen. Das hilft beispielsweise Menschen, die Sprache nicht gut verstehen, in anderen Frequenzbereichen aber noch besser hören.

Der ACEHearing-Test soll dabei mindestens genauso gut sein wie automatisierte Untersuchungsverfahren, die Ohrenspezialisten verwenden, meint Paul Lee, dessen Firma Ximplar bei der Entwicklung der App geholfen hat. "Es dauert oft fünf bis sieben Jahre, bevor ein Mensch, der einen Hörverlust erlitten hat, das Problem überhaupt angeht." Das ACEHearing-Team hoffe, Patienten früher zu helfen: durch eine möglichst einfach zu nutzende Lösung.

Brian Fligor, Diagnostikleiter für den Bereich Ohrenheilkunde am Children's Hospital in Boston, empfiehlt allerdings, sich nicht nur auf eine App wie ACEHearing zu verlassen. Eine vollwertige Untersuchung sei notwendig, um Hörproblemen wirklich auf den Grund zu gehen. "Ich kann mir aber vorstellen, dass die Technik Musikfreunden helfen könnte, ein besseres Klangbild zu erhalten." Momentan ist das ACEHearing-Team dabei, Verhandlungen mit verschiedenen Smartphone-Herstellern zu führen, die das Verfahren in ihre Geräte einbauen wollen.

Quelle: Technology Review auf heise.de, 11/11

Bei voller Lautstärke "blind" unterwegs!

29. 02. 2012

Unaufmerksamkeit verursacht Unfälle

Quelle: vom 18.1.12 http://www.orf.at/stories/2100062/2100030/

Die Zahl der Fußgänger, die ihren Kopfhörern lauschend von Autos oder Zügen erfasst werden, hat sich in den letzten sechs Jahren mehr als verdreifacht. Die meisten Unfallopfer sind junge Männer und Teenager. Das geht aus einer neuen Studie der University of Maryland School of Medicine in Baltimore hervor.

Häufig können Fußgänger die Hupgeräusche von Autos und Zügen nicht hören, wobei die Opfer in fast drei Viertel der Fälle ihren Verletzungen erliegen. „Jeder ist sich des Risikos bewusst, das der Gebrauch von Mobiltelefonen oder das Verfassen von Textmitteilungen im Straßenverkehr mit sich bringt. Trotzdem sieht man immer mehr Teenager, die sich Kopfhörer tragend mit ihrem neuesten Gerät beschäftigen und abgelenkt sind“, so Hauptverfasser Richard Lichenstein. „Da wir immer verlockendere Geräte entwickeln, steigt auch das Risiko von Unfällen, die auf Ablenkung und ausgeblendete Umgebungsgeräusche zurückzuführen sind.“

Viele Unfälle tödlich

Die US-Wissenschaftler überprüften insgesamt 116 Unfälle aus den Jahren 2004 bis 2011, bei denen Fußgänger nachweislich von Kopfhörern Gebrauch machten. 70 Prozent der Unfälle endeten für den Fußgänger tödlich. Mehr als zwei Drittel aller Unfallopfer waren männlich (68 Prozent) und unter 30 Jahre alt (67 Prozent). Die über die Jahre gestiegene Unfallhäufigkeit geht demnach mit der steigenden Beliebtheit von MP3-Player, iPod und Co. einher.

Ablenkung und Deprivation

Lichenstein und seine Kollegen weisen auf zwei Unfallursachen hin: Die durch elektronische Geräte verursachte Ablenkung, auch als „Unaufmerksamkeitsblindheit“ bezeichnet, wobei es durch multiple Stimulation zu einer Einschränkung der mentalen Verarbeitungskapazität des Gehirns kommt. Dazu kommt die „sensorische Deprivation“ - die Fähigkeit des Fußgängers, das Warnsignal eines Zuges oder Fahrzeuges wahrzunehmen, wird durch die Geräusche des tragbaren elektronischen Geräts und durch den Kopfhörer eingeschränkt.

Diese Meinung wird auch von vielen Verkehrsexperten geteilt: „Diese Studie zeigt wieder einmal die Wichtigkeit, alle Sinne zu nutzen, während wir am Straßenverkehr teilnehmen“, meinte Floor Lieshout vom britischen Youth For Road Safety in der „Huffington Post“ und sprach von einem „störenden Trend“ durch die Kopfhörer. Sein Kollege Andrew Howard fügt hinzu, einige Fußgänger seien „so gefangen in ihrer kleinen Blase, dass sie die Welt vergessen, die sich um sie dreht“.

Deutschland: „Augen und Ohren auf“

Auch in Deutschland ist kürzlich die Diskussion über Kopfhörernutzung im Straßenverkehr entflammt. Viele Fußgänger seien zunehmend abgelenkt, sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) der „Saarbrücker Zeitung“. „Mit lauter Musik oder dem Handy in den Ohren schlafwandeln sie über Straßen und Bahnsteige“, kritisierte der Minister. Deswegen könnten sie herannahende Autos, Radfahrer oder Bahnen nicht hören. Es gelte „Augen und Ohren auf“, und er appellierte, auf Kopfhörer und MP3-Player im Straßenverkehr zu verzichten. Von einem Verbot ist aber auch unser Nachbarland noch weit entfernt.

 

Hybridgeräte kombinieren Cochlea Implantate und Hörgeräte

23. 07. 2010

Neue Entwicklung auch für nicht komplett gehörlose Patienten geeignet

Quelle: derstandard.at, 4.5.2010

Hannover - Der CI-Kongress des Hörzentrums Hannover (HZH) stand in diesem Jahr unter dem Titel „Hörerhaltende Versorgung bei Cochlea-Implantaten und die Nutzung der cochlearen Reserve durch aktive Mittelohrimplantate“. An drei Tagen - vom 6. bis zum 8. Mai - kamen Betroffene und Vertreter der Hörsystemversorgung zusammen, um sich über neueste Entwicklungen und Möglichkeiten für Patienten mit Hörstörungen auszutauschen. In diesem Jahr stand die an der Medizinischen Hochschule entwickelte hörerhaltende OP-Technik im Mittelpunkt. „Diese Operationstechnik ermöglicht es, Menschen mit einer Hörstörung zu therapieren, ohne das möglicherweise vorhandene Restgehör zu zerstören“, erläutert Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des HZH der Medizinischen Hochschule Hannover.

Das HZH präsentiert auf diesem jährlich stattfindenden Kongress seine international führende Kompetenz als weltweit größtes CI-Zentrum. Doch neben der Versorgung der Patienten mit der Innenohrprothese Cochlea-Implantat besteht mittlerweile eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten zur Therapie unterschiedlicher Schwerhörigkeiten.

„Die hörerhaltende OP-Technik erweitert dieses Therapiespektrum um die so genannten Hybrid-Geräte“, erklärt Anke Lesinski-Schiedat, leitende Medizinerin des HZH. Ein Hybrid-Gerät ist eine Kombination aus Cochlea-Implantat und Hörgerät. Patienten, die eine Schwerhörigkeit bei den hohen Frequenzen haben, hören die tiefen Töne akustisch mit dem Hörgerät, die hohen Töne elektronisch mit dem CI. „Diese Kombination erleichtert die Kommunikation vor allem im sogenannten Störgeräusch, also in Umgebungen mit starken Nebengeräuschen“, betont Lesinski-Schiedat.

Bislang wurden lediglich komplett ertaubte Patienten mit einem Implantat versorgt; Hybrid-Geräte sind dagegen geeignet für Patienten, denen ein Hörgerät nicht mehr hilft, die aber für ein Cochlea-Implantat noch zu gut hören.

Hören lernen

Das Hören mit einem Implantat entspricht nicht dem natürlichen Hören. Daher müssen Patienten, die zum Beispiel mit einem Cochlea-Implantat versorgt werden, das „neue Hören“ üben. Logopäden und Pädagogen trainieren mit den Patienten. „Unsere jahrelange Arbeit mit CI-Patienten fließt in das Training mit den Hybrid-Patienten ein. Mit ihnen trainieren wir erst das getrennte Sprachverstehen, also zunächst mit CI allein, und dann erst in Kombination mit dem Hörgerät“, erläutert Stephanie Rühl, leitende Pädagogin am HZH.

Margret Janssen ist eine Patientin, die an der MHH sowohl mit einem Cochlea-Implantat (2010) als auch mit einem Hybrid-Gerät (2009) versorgt wurde. Sie kennt daher auch das unterschiedliche Hören: „Mit dem Hybrid-Gerät ist das Hören deutlich natürlicher als mit dem Cochlea-Implantat. Das empfinde ich persönlich als angenehmer und in Situationen mit Umgebungsgeräuschen als weniger anstrengend.“

Cochlea-Implantation: Neue OP-Technik in Hannover

02. 10. 2009

Cochlea-Implantationen hörerhaltend durchzuführen ist nun möglich, ein Durchbruch in der CI-Chirurgie

Hannover – Die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bietet als erste Klinik weltweit allen Patienten die Möglichkeit, die Cochlea Implantat(CI)-Operationen hörerhaltend vorzunehmen. „Dies ist ein Durchbruch in der CI-Chirurgie“, erläutert Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik und des Hörzentrums Hannover an der MHH. „Unsere neuartige, schonende Operationstechnik ermöglicht den Patienten, zukünftige Chancen der technischen Weiterentwicklung und der möglichen Regeneration des Innenohrs nutzen zu können.“

Bei herkömmlichen CI-Operationen wurde laut MHH ein möglicherweise vorhandenes Restgehör nahezu zwingend zerstört. Die CI-Elektrode streifte bei der Einführung in die Gehörschnecke die restlichen Haarsinneszellen und machte sie damit funktionsunfähig. Mit neuartigen, verkürzten Elektroden und den von der MHH entwickelten veränderten Operationstechniken können die Operateure heute auch minimale Hörreste erhalten. © hil/aerzteblatt.de